Erziehungsfragen - Blog

Warum Ratgeber so selten halten, was sie versprechen

Von julia am 21/02/2017 - 13:47
erschöpft

Wer meine Beiträge schon länger verfolgt weiß, dass ich kein großer Freund von Ratgeberliteratur bin. Ratgeber verkaufen sich jedoch sehr gut und zu allen möglichen Themen: Sauberkeitserziehung, Schlaf, Essen, Spielverhalten, intellektuelle Entwicklung, usw. Es scheint als gäbe es kein Thema, zu dem es nicht Rezepte gäbe – seltsam nur, dass es immer 100 verschiedene Rezepte sind. Ist es nicht vielleicht doch so, dass Rezepte in der Erziehung, im Zusammenleben als Familie nicht funktionieren?

Mit Versprechungen werben

Jeder Ratgeber wirbt mit dem Versprechen die absolute Lösung für ein „Problem“ im Alltag mit Babys und Kindern zu haben. Man muss nur das Buch kaufen, die Checklisten abarbeiten und schon sind alle Probleme vergessen. So leicht ist das. Oder doch nicht?

Ratgeber werben mit Versprechungen, die sie in den meisten Fällen nicht halten können und wenn, dann zu einem sehr hohen Preis, den die Kinder zahlen.

Nur auf das Verhalten schauen – das Kind übersehen

Beispielhaft ist z.B. die so genannte Ferber-Methode als Schlaftraining. Endlich durchschlafen – welche Eltern wünschen sich das nicht? Die meisten Erwachsenen sind es einfach gewohnt durchzuschlafen und der Rhythmus eines Babys oder auch Kleinkindes stellt das einfach auf den Kopf. Es ist nur verständlich, dass man sich die Ruhe und Auszeit wünscht. Wie verlockend sind dann Bücher, die mit Schlaftrainings werben….Das selbe gilt für Sauberkeitstrainings, usw.

Diesen Methoden ist gemeinsam, dass sie die Bedürfnisse eines Babys oder Kleinkindes gar nicht wahrnehmen. Das Kind wird als Objekt behandelt, mit dem einfach „umgegangen“ werden kann, das geformt und trainiert werden kann. Es wird nur auf das Verhalten geschaut, ohne zu überlegen weshalb dieses Verhalten gezeigt wird und welchen Sinn es macht, das Kinder dieses Verhalten zeigen.

Die Kinder bleiben auf der Strecke

Alle diese Methoden und Trainings, die die Bedürfnisse der Kinder nicht respektieren, arbeiten mit unterschiedlichen Formen von Gewalt (vor allem psychischer Gewalt, denn zum Glück hat sich zumindest in den meisten Gesellschaften durchgesetzt, dass Kinder keine körperliche Gewalt erfahren dürfen), Gehorsam, Unterdrückung und Scham. Kinder werden schreien gelassen (kontrolliert natürlich – als würde das die Sache besser machen), werden isoliert, beschämt und unterdrückt – alles nur, damit sich ein bestimmtes Verhalten, was gesellschaftlich als besonders lobenswert angesehen wird, möglichst früh gezeigt wird. Es wird in Kauf genommen, dass die Beziehung zum Kind zerstört oder zumindest belastet wird, dass das Kind seine Kräfte nicht entfalten kann.

Alternativen finden

Zum Glück gibt es auch Literatur, die einen anderen Weg wählt. Autoren und Autorinnen, die aufzeigen welche Bedürfnisse Babys und Kinder haben. Sie können begründen, weswegen diese Bedürfnisse Sinn machen und nehmen Ängste und Sorgen der Eltern, ihre Kinder dadurch zu verwöhnen oder zu verweichlichen. Leider sind es dann häufig Bücher, die nicht so leicht zu verdauen sind wie Checklisten und klare Handlungsanweisungen. Es sind Ideen über Kinder und Kindheit, die anregen über sich, als Person und in der Rolle als Elternteil, nachzudenken. Es sind Bücher, die einen nicht unberührt lassen. Sie helfen einem den eigenen Weg in der Erziehung zu finden.

Bücher, die in diese Richtung gehen, stelle ich auch immer wieder in meinem Blog vor.

Erziehung ist nicht das formen und trainieren, ja ziehen, der Kinder – es ist in erster Linie Arbeit an sich selbst.

 

Foto: Maresa Gallauner