Von Kindern lernen: Staunen

Erziehungsfragen - Blog

Von Kindern lernen: Staunen

Von julia am 26/09/2017 - 08:28
Wolken

Das Zusammenleben mit Kindern kann ein Geben und Nehmen sein. Nicht nur Kinder profitieren von unseren Erfahrungen und lernen von uns, sondern auch Eltern können „Vergessenes“ wieder für sich entdecken – zum Beispiel das Staunen-können.

Eines lernt man sehr schnell – Kinder haben Zeit. Ein Weg von wenigen hundert Metern kann da gefühlt zu einem Tagesausflug werden. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, die Hecke wird genauestens untersucht, jeder Stein bewegt und umgedreht, jede Mauer ist willkommen, um zu balancieren, usw.

Der Weg ist das Ziel?

Betrachtet man dabei das Gesicht des Kindes, so sieht man oft die Faszination, mit der sie diese Tätigkeiten ausüben. Sie sind vertieft, ganz bei der Sache. Sie haben Ausdauer und können noch über Dinge staunen, die für Erwachsene einfach Alltag geworden sind – oder, die Erwachsene gar nicht mehr wahrnehmen, weil sie z.B. die Schnecke gar nicht gesehen haben, zu der sich ein Kind hinkniet.

Ich merke selbst, wie sehr man im Hier und Jetzt sein muss, um diese Kleinigkeiten wahrzunehmen. Ich muss mir bewusst vornehmen auf diese Dinge zu achten. Ich merke aber auch, wie nahe ich dann meinen Kindern bin. Wie authentisch man ihnen „eigene“ Entdeckungen zeigen kann und vielleicht so ihnen ein wenig die Natur näherbringen kann, usw. Es entschleunigt und beruhigt – das ist die eine Seite.

So ein Spaziergang kann für Eltern aber auch zur Geduldsprobe werden, vor allem, wenn man zu einer bestimmten Zeit wo erwartet wird. Natürlich kennt jeder den Tipp früh genug los zu gehen, genug Zeit einzuplanen, usw. Manchmal reicht aber selbst das nicht (wenn man nicht eine ganze Stunde als „Zeitpuffer“ einplanen möchte.) Was nun?

Vor dem Weggehen Klarheit schaffen

Gibt es Wege, die immer wieder zu machen sind, z.B. der Weg in die Schule, in den Kindergarten, usw. dann ist es sinnvoll eine Routine zu schaffen, die ein wenig Zeit einplant, aber bei der klar ist, dass es ein wenig straffer zugeht. Man kann dem Kind mit Verständnis begegnen, dass nun vieles interessant wäre, aber dass es im Moment zeitlich zu eng ist. In Aussicht zu stellen, dass es auch einmal gemütlicher sein kann, hilft meistens. Es ist sinnvoll dem Kind vor dem verlassen des Hauses mitzuteilen, warum nun das Haus verlassen wird, und ob viel Zeit ist oder man zügig gehen muss. Die Klarheit verhindert oft Diskussionen unterwegs. Es ist jedoch wichtig, das Kind nicht zu lange auf einen angekündigten gemütlichen Spaziergang warten zu lassen. Die nächste Gelegenheit, die sich bietet sollte genutzt werden, damit das Kind erlebt, dass sein Bedürfnis wirklich nur aufgeschoben wurde und nicht vergessen.

 

Foto: Maresa Gallauner