Und täglich grüßt das Murmeltier – oder doch nicht?
Wer kennt es nicht? Jeden Tag etwa zur gleichen Zeit beginnt die große Unruhe – ganz nach dem Motto „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Immer wieder höre ich, dass Eltern sich beklagen, dass die Tage meist gut anfangen und irgendwann läuft alles aus dem Ruder und man ist nur noch froh, wenn die Kinder abends schlafen. Es wird laut, hektisch, chaotisch.
Aus Wiederholungen ausbrechen
Um wiederkehrende Muster im Alltag zu erkennen ist es notwendig bewusst „auszusteigen“, also immer wieder eine Beobachterrolle einzunehmen.
- Wann wird es unruhig?
- Was sind die Auslöser?
- Schaffe ich es selbst ruhig zu bleiben oder steige ich in das Chaos mit ein?
Meiner Erfahrung nach sind vor allem „Übergänge“ Zeitpunkte, an denen es chaotisch werden kann. Morgens vom Bett in den Tag hinein, mittags, wenn die Kinder müde aus der Schule kommen oder von der Krippe, Tagesmutter, usw. heimkommen, nachmittags, wenn die Kinder bereits anfangen hungrig und müde zu werden und abends, wenn sie merken, dass der Tag zu Ende geht und die Abendroutine anfängt. Oder auch die Unterbrechung von Spielphasen, um z.B. das Haus für einen Besuch oder einen Einkauf zu verlassen.
Strukturen und Routine
Den Kindern hilft es, wenn es klare Strukturen und Routinen gibt. Sie können sich z.B. durch die Ankündigung, dass sie ihr Spiel abschließen sollen lamgsam auf eine neue Situation einstellen. Kinder können abends bereits die Kleidung für den nächsten Tag rauslegen, dann gibt es nicht morgens Diskussionen, was sie anziehen sollen. Je jünger die Kinder sind, desto wichtiger sind gleichbleibende Abläufe. Morgens kann das bedeuten: aufstehen, waschen/ Zähne putzen, anziehen, frühstücken, Schuhe und Jacke anziehen, das Haus verlassen. Die Kinder wissen immer was als nächstes kommt, das schafft Sicherheit und Abläufe, die routiniert sind, können rascher abgerufen werden.
Häufige Auslöser von Unruhue und Chaos sind:
- Hunger/ Durst
- Müdigkeit
- Bewegungsmangel (auch bei Schlechtwetterphasen sollte man irgendeinen Ausgleich schaffen)
- Unklarheit, was als nächstes kommt
- Stress, den die Eltern verspüren (z.B. unbedingt zu einer gewissen Zeit das Haus verlassen zu müssen)
Auch Eltern müssen auf ihre Grundbedürfnisse achten. Hunger, Durst, Müdigkeit und fehlender Ausgleich machen einen Menschen weniger belastbar.
Wenn man ein wenig die Abläufe in der eigenen Familie kennt, kann man sich auf die „Unruhezeiten“ einstellen und selbst mit größtmöglicher Ruhe dieser Phase des Tages begegnen – so kann es klappen aus der Dauerschleife von Ärger, Wut, Frustration und Anspannung auszusteigen.
Foto: Maresa Gallauner