Spielzeugreduziert leben – ein Erfahrungsbericht

Erziehungsfragen - Blog

Spielzeugreduziert leben – ein Erfahrungsbericht

Von julia am 26/04/2017 - 08:00
Spielzeug

In der Weihnachtszeit hatte ich bereits einen Beitrag über die Spielzeugflut geschrieben und dabei bin ich selbst zu dem Schluss gekommen, dass meine Kinder (3,5 und 1,5 Jahre) einfach viel zu viel Spielzeug hätten. Das Aufräumen war immer ein Gewaltakt und oft mit Tränen verbunden – das wollte ich so nicht mehr. Ein Plan musste her.

Einfach mal beobachten

Zunächst habe ich beobachtet, welche Spielzeuge tatsächlich genutzt werden und welche Sachen nur ausgeräumt werden, aber nicht bespielt. Eigentlich wollte ich mir 14 Tage Zeit geben und immer abends notieren, was die Highlights des Tages waren. Die Notizen schienen mir sinnvoll zu sein, weil ich die Idee hatte, dass die Kinder vielleicht andere Dinge gerne bespielen als die Sachen, die mir besonders gut gefallen würden. Bereits nach 5 Tagen war die Lage so eindeutig, dass ich die Beobachtungsphase beendete.

Ordnung schaffen

Nun brauchten wir ein System, wie wir die nicht genutzten Spielsachen so verstauen können, damit sie trotzdem jederzeit wieder hergeholt werden können. Wir haben am Dachboden Regale aufgestellt und die Spielsachen sortiert in beschrifteten Kisten untergebracht. So gibt es nun Kisten mit Handpuppen, Lego, Playmobil, Puzzle, Fädelspiele, usw.

Die Spielumgebung gestalten

Jene Spielmaterialien, die verbleiben durften wurden neu platziert. Die meisten Spielmaterialien sind bei uns im Wohnzimmer. Es ist der zentrale Raum im Haus und dort findet das meiste Familienleben statt und für Kinder ist nun mal Spiel ihr Leben. In jedem der 3 Regale haben die Kinder die untersten 2 Fächer für sich zur Verfügung. Dort wurden die Sachen nun in offenen Körben oder lose einsortiert (je nachdem um was es sich beim Spielmaterial handelt). Außerdem haben die Kinder noch große Kisten mit Duplo, Kapla, Bausteinen und einer Holzeisenbahn. Das Spielzelt als Rückzugsort oder für Rollenspiele steht ihnen auch im Wohnzimmer zur Verfügung, eine Spielküche und ein Maltisch im Küchen-Essbereich.

Wie viel Spielzeug haben sie nun?

In den Regalen ist nicht viel verblieben. Aktuell hat jedes Kind 3 Puzzle (das ist momentan eine ihrer Hauptbeschäftigungen, deshalb die etwas größere Auswahl), es gibt einen Korb mit Tüchern und einen mit Seilen, außerdem ein paar Verkleidungen. Sie haben eine Schachtel mit Knöpfen und Becher mit Schraubdeckel. Oft werden da die Knöpfe eingefüllt. Außerdem gibt es eine Puppe (ohne Zubehör) und zwei Steckspiele, sowie ein Memory. Bücher haben wir zugegeben wirklich viele (wobei wir da auch tauschen), einfach weil beide Kinder Bücher lieben (zum Anschauen und Vorlesen).

Prinzipien

Durchsucht man das Internet nach diesem Thema, so findet man viele „Anleitungen“ wie man spielzeugfrei oder spielzeugreduziert leben kann. Es gibt genaue Konzepte wie viele Spielmaterialien ein Kind haben darf (z.B. je Kind 3 Sachen) und in welchem Rhythmus Spielmaterial ausgetauscht werden soll (z.B. alle 2 oder 4 Wochen).

Mir war das alles zu starr und eigentlich empfand ich es auch unlogisch, warum es genau 3 Sachen sein sollen und warum es in einem genauen Rhythmus getauscht werden soll. Mir geht es nicht um möglichst leere Regale, sondern darum, dass die Dinge, die zur Verfügung stehen, auch bespielt werden. Sollen es einmal 10 Sachen sein und einmal nur 5 Sachen. Schon alleine dadurch, dass die Dinge im Regal nebeneinander und nicht aufeinander liegen, ist der Platz natürlich beschränkt. Gewechselt wird immer dann, wenn ich merke, dass Dinge nicht mehr bespielt werden und nur herumstehen. Einmal ist das nach 3 Wochen der Fall, einmal nach 10 Tagen. Mein Sohn beginnt nun auch bereits selbst Wünsche zu äußern, dass er z.B. ein bestimmtes Spielzeug unbedingt vom Dachboden brauchen würde, bzw. dass er etwas nicht mehr haben möchte und es gerne weg kann.

Ansonsten beobachte ich vor allem was die Kinder mit bestimmten Materialien und Spielsachen machen und biete dann Dinge an, die mir passend erscheinen. Wird etwas nicht gut angenommen, kommt es auch schon mal nach einer Woche wieder weg.

Das Spielverhalten wandelt sich

Das Spiel der Kinder wurde wieder ruhiger, konzentrierter und tiefer. Sie verweilen länger bei einer Sache und probieren mit einem Spielmaterial auch sehr viele Varianten aus. Das Spiel wird somit auch kreativer. Mein Sohn klagt weniger über Langeweile, als würde er nun besser wahrnehmen können, was man alles machen kann.

Ordnung im Haus

Die Übersichtlichkeit hilft nicht nur den Kindern ins Spiel zu finden, sondern es ist nun eine Leichtigkeit Ordnung zu halten. Aufräumen dauert selten länger als 10 Minuten, eine Zeitspanne, die auch ein Kind im Kindergartenalter gut bewältigen kann. So bleibt natürlich auch mehr Spielzeit übrig.

Selbst als wir Besuch hatten und 4 Kinder im Alter von 1,5 - 5 Jahren mit den Spielsachen „auskommen“ sollten, gab es keine Probleme. 5 Stunden lang wurde ausgiebig gespielt – 10 Minuten gemeinsam aufgeräumt.

Und wenn ich jetzt so diese Zeilen schreibe und ein wenig die letzten Tage Revue passieren lasse, so meine ich, dass es an der Zeit ist, wieder ein wenig zu räumen und zu tauschen.