Erziehungsfragen - Blog

Nachgedacht: Super-Mama – Super-Papa: Ist Organisation wirklich alles?

Von julia am 14/03/2017 - 07:58
Superheld

Aktuell gewinnt man immer mehr den Eindruck als gäbe es ein paar Super-Mamas und Super-Papas, die ALLES zu schaffen scheinen (Job, mehrere Kinder, Hobby) – und das dann in unzähligen Blogs der ganzen Welt unter die Nase reiben. Mit Begeisterung werden diese Blogs verfolgt, auch oft ein wenig mit dem Gefühl der Bewunderung und aber auch mit dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, die sich nach und nach einstellt – nämlich dann, wenn man merkt, dass es bei diesen Familien über Wochen, Monate, Jahre nur toll läuft und einem selbst das Wasser vielleicht schon bis zum Hals steht.

Eine Aussage, die fast schon wie ein Mantra in den Köpfen der Menschen verankert ist lautet dabei: „Wer sich organisieren kann, der schafft alles“. Aber stimmt das?

Kein Lösungsansatz

Zunächst ist an dieser Aussage problematisch, dass suggeriert wird, dass jeder selbst Schuld ist, wenn es Schwierigkeiten gibt, denn man könnte sich ja besser organisieren. Das macht Menschen klein, sie fühlen sich wertlos und nicht gut genug für eine Aufgabe – zum Beispiel die Herausforderung der Erziehung. Aussagen dieser Art bieten aber keinerlei Lösungsansatz, keine Unterstützung. Im Gegenteil, der Druck erhöht sich, damit wachsen die Selbstzweifel weiter – ein Teufelskreis.

An der Realität vorbei

Selten wird die Frage gestellt, ob überhaupt die Rahmenbedingungen passen. Hat Kindererziehung in der Gesellschaft einen solch hohen Stellenwert, dass alles menschenmögliche unternommen wird, damit Eltern diese Aufgabe – auch im Dienste der Gesellschaft! - erfüllen können? Ich glaube, dass hier ziemlich einstimmig ein Nein folgen wird. Eher werden Institutionen geschaffen, die Eltern entmündigen statt zu stärken. Erziehung soll weniger im Elternhaus stattfinden, immer früher in Institutionen mit strukturierten (oft von der Wirtschaft geförderten) Projekten und Förderprogrammen.

Es stimmen also oft schon die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht. Einige schaffen es dann private Rahmenbedingungen so zu erstellen, dass sie ihren Kindern gewisse Sachen ermöglichen können (z.B. späte Fremdbetreuung oder keine Fremdbetreuung außerhalb der Schulzeiten). Aber das sind Ausnahmefälle, die meist auch durch glückliche Fügung zustande kommen: die Großeltern der Kinder sind greifbar und in einem Alter, indem sie selbst nicht mehr arbeiten aber noch so fit sind, um sich um (Klein-)Kinder kümmern zu können; Eltern können mit nur einem Einkommen die Familie ernähren; Eltern haben Arbeitsplätze, die flexible Arbeitszeiten, Teilzeit, Homeoffice, usw. ermöglichen; es besteht ein privates Netzwerk, in dem Freunde, Nachbarn, usw. im Wechsel die Kinder betreuen,….

Das alles lässt sich nicht immer organisieren! Es gibt Familien, in denen beide Elternteile Vollzeitstellen annehmen müssen, damit die Familie finanziell über die Runden kommt. Es gibt Familien, die aus welchen Gründen auch immer, die Großeltern nicht greifbar haben. Nicht alle Arbeiten können im Homeoffice erledigt werden, usw.

Diese Familien wünschen sich vielleicht auch mehr gemeinsame Zeit, sie tun alles in ihrer Macht stehende, um die Kinder so oft es geht früher aus dem Kindergarten oder Schulhort abzuholen.

Solange sich gewisse gesellschaftliche Rahmenbedingungen nicht grundlegend in Richtung der Bedürfnisse und Interessen von Kindern und Familien ändern, wird die absolute Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Illusion bleiben.

Ist alles immer Alltag?

Ein Gedanke zum Schluss: gerade Blogs, die sich an Eltern und Familien richten, sehen oft wahnsinnig toll aus, mit vielen Fotos, die dieses wunderbare Leben belegen: Kinder spielen begeistert in Pfützen, der Frühstückstisch sieht aus wie in einem 5 Sterne Hotel, liebevolle Gesten unter Geschwistern, usw. Man sieht die Fotos, denkt an die Art, in der der eigene Frühstückstisch gedeckt ist, denkt an die vielen Streiterein zwischen den eigenen Kindern, hat vielleicht wohnortbedingt nicht die Möglichkeit, dass die Kinder problemlos bei Wind und Wetter in der Natur sein können,….man hat vielleicht das Gefühl seinen Kindern das alles nicht bieten zu können. Morgens muss es schnell gehen, keiner hat da den Kopf eine Wurst oder Käseplatte mit Gurkenkrokodilen und Karottenmäusen herzurichten. Es ist vielleicht eine Zeit, in der sich die eigenen Kinder mehr reiben – Fotos der sich umarmenden Geschwister? Unmöglich!

Aber stellen Sie einmal die ehrliche Frage: sieht es bei den „Blog-Familien“ tagtäglich so aus? Werden nicht vielleicht auch einfach Highlightfotos gepostet? Und selbst wenn es wirklich eine Familie geben sollte, die täglich solch ein Frühstück auf den Tisch bringt – macht es die eigene Familie schlechter? Ist es nicht auch für Ihre Kinder schön gemeinsam den Tag beginnen zu können, auch mit einem einfachen Butterbrot auf einem Teller? Warum muss aktuell alles ein Wettkampf sein? Warum geht es so sehr um die Außendarstellung – manchmal so stark, dass es mehr um das perfekte Foto geht, als um den perfekten Moment?

Eltern geben Tag für Tag ihr bestes, auch wenn nicht alles perfekt ist. Kinder lieben ihre Eltern bedingungslos. Für Ihr Kind sind Sie Super-Mama und Super-Papa!

 

Foto: Maresa Gallauner