Nachgedacht: Für wen?
Gestern kam in einer Spielgruppe eine interessante Frage auf: Für wen macht das Kind das gerade? Ist es wirklich in seinem Spiel versunken oder probiert es einer Person etwas zu präsentieren? Ist das Präsentierte wirklich das, was das Kind machen wollte?
Liebe und Anerkennung
Kinder wollen geliebt werden. Sie wollen anerkannt werden – und zwar eigentlich in ihrem So-Sein und nicht so sehr wegen dem, was sie machen oder nicht machen. Schon früh erfahren jedoch viele Kinder, dass sie vor allem für Handlungen (oder unterlassene Handlungen) Lob und Zuspruch erhalten. Für Liebe und Anerkennung (vor allem der Bezugspersonen) würden sich Kinder bis zur Selbstaufgabe hin verbiegen. Es gibt Erziehungsliteratur, die dieses Phänomen versucht positiv zu betonen, indem hervorgehoben wird, wie formbar der Mensch doch wäre. Ist es jedoch immer positiv, wenn jemand „in Form“ gebracht wird?
Kinder sind Selbstzweck
Kinder sind nicht auf der Welt, um jemanden oder etwas zu präsentieren – auch nicht, wie gut oder schlecht die eigenen Eltern sind. Kinder wollen nicht vorgeführt werden. Kinder wollen entdecken wer sie sind und wer ihre Eltern und weiteren Bezugspersonen sind. Natürlich sind Kinder auch stolz auf das, was sie können und wollen gesehen werden. Diese zwei Sachverhalte dürfen jedoch nicht vermischt werden.
Interessant ist, dass bei genauer Beobachtung sehr gut ersichtlich ist, ob ein Kind gerade in seinem eigenen Tun versunken ist oder ob es etwas tut, damit es gefällt, damit es gelobt wird und sicher gehen kann geliebt zu werden.
Bedingungslose Liebe
Kinder möchten bedingungslos geliebt werden – einfach, weil sie da sind und willkommen sind. Sie möchten sicher sein, dass sie auch geliebt werden, wenn sie einmal „etwas anstellen“ oder ihre Meinung ausdrücken. Liebe ihrer selbst willen.
Foto: Maresa Gallauner