Nachgedacht: Auch einmal warten können….

Erziehungsfragen - Blog

Nachgedacht: Auch einmal warten können….

Von julia am 19/09/2017 - 08:33
Geduldsfaden

Bei diesem Titel denken viele wahrscheinlich direkt daran, wie schwer es vielen Kindern fällt auch nur einen Augenblick auf etwas zu warten. Die große Ungeduld, die dazu führt, dass Kinder ihren Wunsch immer und immer wiederholen, einem nicht von der Seite weichen. Die Anspannung des Wartens kann zu Tränen oder Wut führen. Das kennen sicherlich alle Eltern.

Dieses Warten-können meine ich aber in dem Beitrag nicht. Mir geht es heute im die andere Seite – JA auch Eltern sollten warten können!

Warten können, mit Anspannungen umgehen können ohne nervös oder frustriert zu werden, hat vor allem mit Vertrauen zu tun. Vertrauen in sich und die Mitwelt. Das ist bei Kindern nicht anders als bei Erwachsenen. Auch wir Eltern sollten Vertrauen in unsere Kinder setzen und das von Anfang an.

Geduldige Begleitung in der Entwicklung

Kinder haben einen natürlichen Antrieb – sie wollen sich weiterentwickeln. Das fängt schon beim Baby an – es will mobil werden, sich drehen lernen, aufsetzen, hochziehen, stehen, gehen. Als Eltern geduldig bleiben, nicht die Kinder hochziehen, wenn sie nicht bereit dazu sind – einfach Vertrauen haben, dass das Kind diese Schritte vollzieht, wenn es soweit ist.

Aber nicht nur in der Bewegungsentwicklung sollten Eltern warten können. Ein anderer Bereich, indem es wichtig ist, sich auch einmal zurück zu halten, ist die Sozialentwicklung unter Kindern. Wie schnell sind wir nicht in Versuchung bei Streiterein unter Geschwistern oder Kindern mit einer fertigen Lösung dazustehen. Wie rasch führt man ein Kind an der Hand zu anderen Kindern „damit es Freunde findet“, usw. Jede unserer Handlungen hat Konsequenzen für die kindliche Entwicklung – manchmal führt ein zu schnelles Handeln dazu, dass man dem Kind Entwicklungschancen nimmt.

Und nicht zuletzt sollten Eltern auch lernen, im eigenen Leben warten zu können – die Kinder werden es danken. Oft hat man viele Pläne und Ideen, denkt, was man nicht alles nebenher oder zwischendruch noch machen könnte – und gerät dadurch in Stress. Und Stress belastet das Familienleben. Auch ich musste einsehen, dass ich in der ersten Zeit nach der Geburt des dritten Kindes nicht die Zeit und Energie habe, um weiterhin wöchentlich einen Blogbeitrag zu schreiben – auch ich habe bis heute gewartet und es fühlt sich richtig an. Da ich warten konnte, hatte ich Zeit und Energie, die meine Familie benötigt hat, um wieder als neues Gefüge zusammen zu finden. Vielleicht denkt man im ersten Moment, dass man ja dann kein eigenes Leben mehr habe, dass man keine Zeit für sich und seine Hobbys hätte...Kinder werden jedoch so schnell groß, bald brauchen sie einen nicht mehr in ständiger Verfügbarkeit, und es eröffnen sich neue Möglichkeiten. Kinder, auf deren Bedürfnisse geachtet wurde (auch wenn das bedeutet einmal selbst auf etwas zu warten), achten auch auf die Beürfnisse anderer.

 

Foto: Maresa Gallauner