Erziehungsfragen - Blog

"Meins!" - Kinder und das Teilen

Von julia am 13/03/2018 - 08:53
Spielzeug

Auf dem Spielplatz

In einem Sandkasten sitzen drei Kinder, etwa drei Jahre alt und spielen. Zwei Kinder haben neben sich einige Formen, Schaufeln und Eimer liegen. Ein Kind hat keine Sachen mitgebracht. Es versucht immer wieder eine Schaufel oder ein Förmchen zu nehmen. Bekommt es aber vom jeweiligen Kind immer wieder abgenommen. Daraufhin bemüht sich eine Mutter und überredet ihr Kind eine Schaufel und ein Förmchen herzuborgen.

Sozialverhalten anbahnen?

Vielen Eltern ist es wichtig, dass ihr Kind ein gutes Sozialverhalten entwickelt. Ein Marker eines solchen Verhaltens ist der Umgang mit anderen Kindern. Spricht man mit Eltern, so ist es ihnen oft wichtig, dass die Kinder von Anfang an lernen zu teilen. Szenen, wie die eingangs beschriebene können täglich tausendfach auf Spielplätzen, in Kinderzimmern, usw. beobachtet werden. Mit dem Hinweis wie wichtig es wäre zu teilen, werden die Sachen der Kinder verliehen - mit großer Zustimmung anderer Eltern. Man fühlt sich selbst bestätigt.

Mein und Dein

„Meins!“ - ein Ausruf, den alle Eltern nur zu gut kennen. Kinder beschützen ihren Besitz, und manches Mal schießen sie dabei über das Ziel hinaus – auch der Regenwurm am Spielplatz ist plötzlich ihrer. Junge Kinder leben in einem egozentrischen Weltbild. Das heißt, dass sich alles nur um das Kind dreht und alles nur für das Kind da ist – die Sonne scheint z.B., damit das Kind etwas sehen kann. Kinder können erst gegen Ende des Kindergartenalters die Perspektive wechseln und erkennen, dass andere Menschen andere Sichtweisen und Bedürfnisse haben. Diese egozentrische Weltsicht ist notwendig, damit das Kind die Welt für sich entdecken kann, damit das Kind neugierig auf die Welt sein kann.

Sozialverhalten entwickelt sich

Durch diese Weltsicht können Kinder in jungen Jahren auch lernen für sich und ihre Dinge einzustehen. Warum muss ein Kind eigentlich immer seinen Besitz teilen? Würden Sie denn jedem, der danach fragt, z.B. Ihr Handy oder Tablet borgen? Wägen Sie nicht auch ab, ob diese Person geeignet ist, um mit Ihrem Besitz gut umzugehen? Versuchen Sie sich nicht auch zu versichern, dass Sie Ihre Dinge wieder zurück bekommen?

Kinder, die in das Alter des gemeinsamen Spiels kommen (meist etwa mit 3-4 Jahren), merken schnell, dass sie Absprachen treffen müssen, damit ein solches Spiel zustande kommt. Sie schaffen für sich Kriterien wem sie was wann borgen (auch unter Geschwistern!) und stellen ihre Regeln auf. Versuchen Sie diese Regeln zu akzeptieren. Das Kind erhält von Gleichaltrigen genug Rückmeldung, ob diese Regeln sozial verträglich sind oder nicht. Sozialverhalten entwickelt sich sehr gut in der sozialen Gruppe von Gleichaltrigen.

Die Rolle der Erwachsenen

Viele Eltern fragen sich, ob sie nicht ihre Aufgabe verfehlen, wenn sie nicht regulierend eingreifen. Die wichtigste Aufgabe von Eltern ist die Vorbildfunktion. Sie möchten, dass Ihr Kind höflich grüßt, Bitte und Danke sagt, seine Sachen teilt, usw.? Dann leben Sie es vor! Kinder beobachten sehr genau. Außerdem können Erwachsene behutsame Vermittler sein, vor allem, wenn der Kräfteunterschied zwischen den Kindern groß ist oder wenn Kinder sich in Positionen verrannt haben und keinen Ausweg mehr finden.

 

Foto: Maresa Gallauner