Erziehungsfragen - Blog

Kindergarten und Familie: welches Verhältnis?

Von julia am 22/01/2019 - 09:12
Kindergartenraum

Immer wieder fragen mich Eltern, wie Kinder, die zu Hause bedürfnisorientiert erzogen werden, den Übergang in institutionelle Erziehung schaffen können. Wie immer gibt es nicht die eine letztgültige Antwort. Einmal, weil es nicht DIE bedürfnisorientierte Erziehung gibt, sondern diese in jeder Familie doch ein wenig anders gelebt wird und zweitens, weil auch die Konzepte in Kindertagesstätten sehr unterschiedlich aussehen können.

Die Kindertagesstätte wählen

Sofern es der Wohnort zulässt unterschiedliche Kindertagesstätten in Betracht zu ziehen, sollte man sich immer mehr wie einen Kindergarten ansehen, bevor man die Entscheidung trifft, in welchen man sein Kind anmelden möchte. Die Konzepte können sehr stark von einander abweichen, und dabei denke ich noch nicht an Reformpädagogische Einrichtungen à la Montessori, Waldorf, usw.

Selbst „Regelkindergärten“ können sehr unterschiedlich organisiert sein:

  • wie werden die Mahlzeiten organisiert?
  • Wie oft sind die Kinder im freien?
  • Ist eine Grünfläche direkt angeschlossen oder muss ein Fußweg bewältigt werden?
  • Wie sind die Spielbereiche organisiert?
  • Wie viel freie Bodenfläche steht den Kindern zur Verfügung?
  • Welche Art von Spielzeug wird angeboten?
  • Wie wird der Tagesablauf strukturiert?
  • Wie sehen Pflegesituationen aus?
  • Wie wird mit den Kindern gesprochen?
  • Wie werden Konflikte gelöst?
  • Passen die Öffnungszeiten zu meinem Bedarf?
  • Wie ist die Altersstruktur in der Gruppe?
  • Wie viele Jungen und Mädchen sind Teil der Gruppe (es gibt Kinder, da ist es sehr wichtig, dass die Verteilung passt, damit sie sich wohl fühlen können)?
  • Wie groß ist die Gruppengröße?
  • Welches Konzept zur Eingewöhnung liegt vor?
  • Ist es ein „offenes Haus“ oder sind es einzelne Gruppen, die nur manchmal etwas gemeinsam unternehmen?

Die Liste der Fragen könnte ich nun noch lange fortführen. Sie sehen, es gilt einiges zu bedenken, wenn man die geeignete Kinderbetreuung sucht. In diesem Blog finden Sie auch einen Beitrag über Fremdbetreuung, der dabei helfen kann die optimale Art der Kinderbetreuung für Sie und Ihre Familie zu finden.

Aber auch wenn es eine lange Liste gibt, welche Punkte zu bedenken sind, so zählt immer auch eines:

Welches Bauchgefühl habe ich, wenn ich mir die Szenerie in diesem Kindergarten ansehe? Fühle ich mich selbst hier wohl?

Vertrauen in die Erzieher und Erzieherinnen haben

Wurde eine Kindertagesstätte gewählt, so ist es wichtig eine Vertrauensbasis zum Personal aufzubauen. Schließlich vertrauen Sie Ihr Kind diesen Personen an. Je mehr Ihr Kind spürt, dass Sie den Kindergartenpädagogen und Kindergartenpädagoginnen vertrauen, desto leichter fällt es Ihrem Kind eine Beziehung zu diesen Personen aufzubauen. Dabei müssen Sie vielleicht nicht in allen Punkten mit den Erzieherinnen an einem Strang ziehen  – das ist auch in der familiären Erziehung oft gar nicht möglich. Auch man selbst handelt nicht wie ein Roboter jeden Tag genau gleich. Sie müssen nur das Gefühl haben, dass die unterschiedlichen Herangehensweisen für Ihr Kind in Ordnung sind.

Vertrauen Sie Ihrem Kind

Schenken Sie dabei auch Ihrem Kind vollstes Vertrauen. Es wird rasch zeigen, ob es sich hier wohlfühlen kann oder nicht. Das zeigt sich oft schon vor den ersten Trennungsversuchen, also ob Ihr Kind in Ihrem Beisein neugierig auf die neue Umgebung ist oder nicht, ob es versucht Spielkontakte zu knüpfen, usw.

Kinder können auch gut mit Unterschieden umgehen: Mama macht das so, Papa macht das so, Opa macht das so, Oma macht das so und im Kindergarten läuft es eben so. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen sind für Kinder auch eine Bereicherung. Sie sehen, dass die Welt nicht gleichförmig ist, dass es unterschiedliche Blickwinkel gibt, unterschiedliche Arten des Umgangs, usw.

Erlebt das Kind an anderen Orten andere Erziehungsformen, so bedeutet es nicht, dass es zu Hause dann auch nur noch das möchte oder dass die eigene Erziehung dadurch gestört wird. Das Kind lernt nur andere Wege kennen und kann sich dann auch entscheiden, was ihm mehr zusagt. Und mancher wird sich vielleicht wundern, dass das eigene Kind vielleicht zur „strengsten“ Erzieherin das beste Verhältnis aufbauen wird, ohne dass die Beziehung zu den Eltern, die vielleicht ganz anders erziehen, darunter leidet. Kinder stellen aber vielleicht Konzepte auch in Frage – ein wichtiger Schritt in der Identitätsbildung.

Zum Schluss

Nachdem Sie eine Kindertagesstätte gewählt haben, setzen Sie also Vertrauen in die Erzieher und Erzieherinnen, sowie in Ihr Kind. Stehen Sie der Sache positiv gegenüber und lassen Sie sich überraschen, wie Ihr Kind diesen Lebensabschnitt meistern wird. Ihr Kind spürt, ob Sie mit der Situation klar kommen oder nicht. Ihre Unsicherheit kann sich auch auf Ihr Kind übertragen. Gibt es Unsicherheiten, dann sollte nochmals die Wahl der Einrichtung hinterfragt werden oder das Gespräch mit den Erziehern und Erzieherinnen gesucht werden.

 

Foto: Maresa Gallauner