Kinder wollen am Familienleben teilhaben
Die Familie sollte jener soziale Rahmen sein, in denen sich Kinder ausprobieren und erproben können. Um motorische, soziale und intellektuelle Fähigkeiten zu fördern reicht oftmals das Alltagsleben aus.
Kinder wollen mithelfen
Bereits Kleinkinder im 2. Lebensjahr sind daran interessiert bei alltäglichen Abläufen mitzuhelfen und sich so als Teil der Familie erleben zu können. Sie können z.B. Besteck zum Tisch bringen oder nicht zerbrechliche Gegenstände nach dem Handabwasch abtrocknen, Staubwischen oder kehren. Natürlich ist nicht zu erwarten, dass alles so erledigt ist, dass anderen Familienmitgliedern dadurch die Arbeit angenommen wird, aber für den Selbstwert des Kindes und seine Positionsfindung in der Familie ist dieser Prozess sehr wichtig.
Interesse am Familienleben
Werden Kinder älter, so sind sie an allerhand interessiert was sich zu Hause so tut. Das kann Haus- und Gartenarbeit sein, aber auch kleine Reparaturen oder Hobbys der Eltern oder älteren Geschwister. Sie erleben so, welche Normen und Werte für die Eltern/Familie wichtig sind – Kinder können ihre Eltern so kennen lernen und ihnen begegnen. Das Interesse mitzuhelfen kommt von ganz alleine – ohne Zwang. Dürfen Kinder bereits von Anfang an im Rahmen ihrer Möglichkeit am Familienalltag teilhaben, so ist es für sie nachher auch selbstverständlicher, dass z.B. der Tisch abgeräumt werden muss oder Wäsche aufgehängt oder abgenommen gehört.
Das Leben bildet
Kinder brauchen nicht täglich das tollste Programm und die beste Animation. Das reicht ihnen als kleines Highlight zwischendurch. Sie sind daran interessiert, wie ihre Eltern leben und wie sie dadurch ihre Umwelt kennenlernen und erfahren können. Eltern sollten sich nur bewusst sein, dass Routinearbeiten länger dauern werden, aber es ist möglich und sinnvoll Alltagsarbeiten im Beisein des Kindes zu erledigen (auch wenn das Kind z.B. im selben Raum einer eigenen Tätigkeit nachgeht, so bekommt es dennoch mit, was die Eltern eben machen). So werden diese Tätigkeiten für das Kind selbstverständlich und es erlebt diese Zeit nicht immer als „fehlende“ Zeit mit den Eltern, denn sie wissen, dass sie an den Aufgaben teilhaben können, wenn sie dies möchten. Mit zunehmendem Alter erkennen Kinder auch, dass das Phasen im Tagesablauf sind, in denen sie auch einmal etwas ungestört oder unbeobachtet machen können – ein wichtiger Schritt in der Autonomieentwicklung.
Weniger Stress und viel „emotionale Nahrung“
Diese Einstellung zum Familienleben hilft vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass man neben den Kindern nichts mehr tun könne, die Hausarbeit liegen bleiben würde und für Hobbys keine Zeit mehr sei. Es nimmt einem den Stress, wenn man nicht davon ausgeht, dass man nur noch Dinge erledigen kann, wenn die Kinder schlafen oder nicht zu Hause sind. Allein diese Grundstimmung gibt den Kindern viel emotionale Nahrung, Sicherheit, Wärme, das Gefühl Teil einer Sache zu sein und mit seinen wachsenden Fähigkeiten angenommen zu werden.
Foto: Maresa Gallauner