Erziehungsfragen - Blog

„Immer ist es mein Jakob!“ - wenn das eigene Kind in Kindergruppen auffällt

Von julia am 12/02/2019 - 07:52
Landschaft

Frühe Erfahrungen in Gruppen Gleichaltriger

Kinder spielen gerne in Gruppen von Gleichaltrigen. Bereits im ersten Lebensjahr sammeln sie so wichtige Erfahrungen im Sozialbereich, auch wenn sie anfangs eher nebeneinander spielen. Da immer mehr Kinder bereits vor dem Kindergarten eine Kinderkrippe oder Tagesmutter besuchen, kommt es immer früher und für längere Zeiträume zu Gruppenerfahrungen. Aber auch elternbegleitete Spielgruppen, Musikstunden, usw. bieten Kindern ein breites Lernfeld.

Wenn das eigene Kind auffällt....

Immer wieder machen Eltern dabei die Erfahrung, dass das eigene Kind aus einer Kindergruppe heraussticht. Entweder es ist besonders laut, fordernd, schlägt oder beißt, oder es ist vielleicht besonders zurückgezogen. Wenn Kinder sehr still sind, dann wird das leider oft nicht kommentiert oder es wird dem wenig Beachtung geschenkt. Aber Eltern von wilden oder lauten Kindern bekommen dann oft etwas über das Verhalten des Kindes gesagt.

Sich für das Verhalten verantwortlich fühlen....

Oft haben Eltern den Eindruck, dass nur das eigene Kind auffällig ist oder vielleicht haben sie auch da Gefühl, dass nur ihr Kind aufgefordert wird etwas zu unterlassen. Zu beobachten ist, dass die meisten Eltern sich dann für das Verhalten ihres Kindes verantwortlich fühlen. Einige fühlen Scham und nicht selten verlassen diese Eltern bei Möglichkeit die Gruppensituation – leider oft auch endgültig.

Dabei sind solche Gruppensituationen vor allem Momentaufnahmen. Es ist von der Tagesform abhängig, vielleicht von der Uhrzeit (hat das Kind da oft Hunger oder schläft es zu der Zeit normalerweise?) oder von der Zusammensetzung der Gruppe. Auch andere Kinder zeigen sicherlich nicht den gesamten Tag lang, 7 Tage die Woche nur angepasstes Verhalten - nur beim eigenen Kind fällt es einem am meisten auf. Außerdem fängt irgendwann ein Kreislauf an, dass man sich schon darauf einstellt, dass das Kind wieder auffällig sein wird und dann werden alle Handlungen im Licht dieser Erwartungshaltung gesehen - ein Teufelskreis.

Das Kind als Individuum

Wie das Kind sich verhält, welche Reaktionen es auf ein Umfeld zeigt, was es sagt oder macht – das können wir nicht beeinflussen. Kinder haben ihre eigenen Gedanken, ziehen aus der beobachteten Situation ihre Schlüsse und reagieren dann so, dass sie sich davon einen Vorteil für sich erwarten, oder Schaden abzuwenden meinen. Ich kann als Vater oder Mutter das beobachtete Verhalten kommentieren, ich kann versuchen Schläge oder Bisse aktiv zu verhindern, ich kann mit meinem Verhalten Vorbild sein – aber was das Kind letzten Endes daraus macht, können wir nicht beeinflussen.

Kinder sind keine Objekte, die wir nach Wunsch formen und manipulieren können. Kinder sind Subjekte, die ihr Leben gestalten – so wie wir auch.

Bin ich ein guter Vater/ eine gute Mutter?

In Gesprächen mit Eltern kommt immer wieder die Sorge hoch, dass das Verhalten des Kindes als Maßstab genommen wird, ob man seine Aufgabe als Vater oder Mutter gut erledigt. Kann ich meinem Kind soziales Verhalten beibringen? Bin ich in der Lage es so zu erziehen, dass es sich an Gruppenregeln halten kann? Kann mein Kind ordentlich bei Tisch essen?

Kinder werden so aber leider als „Werk“ der Eltern betrachtet und nicht als Menschen, die sich entwickeln und entfalten, die lernen und auch die Erfahrung machen, dass nicht jedes Verhalten in sozialen Gruppen geduldet wird.

Natürlich haben Eltern eine Verantwortung dem Kind gegenüber – aber diese Aufgabe wird am wirkungsvollsten erledigt, indem man mit gutem Beispiel vorangeht. Modelllernen (=Lernen von Vorbildern) ist in den ersten Lebensjahren die beste Lernstrategie. Es geht somit nicht um die Lenkung des Verhaltens, sondern darum, dass man Kinder begleitet, damit sie in „unsere“ Welt (die gewissen sozialen Regeln folgt) hineinwachsen können.

Foto: Maresa Gallauner