Erziehungsfragen - Blog

„Ich bin so stark wie…..“: Wenn Kinder ihre Kraft entdecken

Von julia am 17/07/2018 - 14:54
Superheld

Kinder sind neugierig auf die Welt. Sie wollen diese entdecken und erobern. Dafür ist es notwendig, dass sie sich immer wieder in Bezug zur Welt setzen. Was kann ich? Wer bin ich? Bin ich groß oder klein?

Kinder möchten möglichst selbstbestimmt den Alltag gestalten und erleben, dass ihr Tun Wirkung hat. Das nennt man Selbstwirksamkeit. In dem Zusammenhang erleben Eltern oft, dass Kinder testen, wie groß sie schon sind („Schau, ich komme schon bis zum 3. Regalfach hoch“), wie stark sie sind („Schau, ich kann den Kartoffelsack bis zur Treppe tragen“) und zeigen, was sie alles können. Kinder wollen, dass Erwachsene das wahrnehmen. Deshalb beginnen diese Sätze oft mit „Schau“.

Kräfte messen

Etwa im Alter von 5 Jahren fangen Kinder an, ihre Kraft besser kennen zu lernen. Sie wollen wissen, ob sie schon so stark sind wie Mama oder Papa. Sie tragen gerne schwere oder unhandliche Gegenstände, spielen im Wald mit „halben Bäumen“, also richtig langen Ästen, usw.

Kinder wollen zeigen, dass man ihnen schon zutrauen kann, verschiedene Aufgaben zu erledigen, mitzuhelfen.

Wenn die Wut raus will

Kinder in diesem Alter werden oft in ihrem emotionalen Ausdruck wieder körperlicher. Nachdem die erste Phase des vermehrten körperlichen Ausdrucks von Gefühlen etwa dann endet, wenn die Sprache soweit entwickelt ist, dass sich ein Kind gut ausdrücken kann, so beginnt mit etwa 5 Jahren erneut eine Phase, wo Kinder sehr „körpernah“ sind. Sie nehmen ihren Körper (die Körperfunktionen) vermehrt wahr und sie drücken ihre Gefühle auch wieder mehr über den Körper aus. Kinder fangen dann oft an zu raufen, zu schlagen, zu boxen und Ähnliches.

Kräftemessen und körperlichen Ausdruck zulassen

Sind Kinder z.B. nach dem Kindergarten oder der Schule unausgeglichen, dann ist oft Schattenboxen oder Seilziehen eine gute Möglichkeit einmal alles raus zu lassen. Nachdem die erste Wut verflogen ist, erleben Kinder dieses Kräftemessen oftmals als sehr erheiternd. Solche Formen des Kräftemessens anzubieten kanalisiert die Kraft, die Kinder in dem Alter entwickeln, in positive Bahnen. Man kann sie so davon ablenken Geschwister oder die Eltern zu schlagen. Auch so kleine Spiele wie jemanden durch den Raum ziehen oder drücken sind sehr beliebt. Dabei sollte man es dem Kind nicht zu einfach machen, es soll sich schon auspowern dürfen, aber das Kind sollte ein Erfolgserlebnis haben. Kindern ist bewusst, dass sie sich in einem Spiel befinden und dass Mama oder Papa stärker sind, bzw. schwerer und deshalb nicht so leicht zu ziehen, aber es tut ihnen gut zu erleben, dass sie stark sind.

Wenn sie z.B. helfen Dinge zu tragen, usw. dann erleben sie ihre reale Kraft, als Ausgleich zum Spiel und Realitätsabgleich.

 

Foto: Maresa Gallauner