Für Sie gelesen: Vom Verschwinden der Kindheit. Jugend im Wandel der Zeit

Erziehungsfragen - Blog

Für Sie gelesen: Vom Verschwinden der Kindheit. Jugend im Wandel der Zeit

Von julia am 01/07/2020 - 09:00
Bücherhimmel
Buchcover
Quelle: Mabuse-Verlag

 

Nelia Schmid König:

Vom Verschwinden der Kindheit. Jugend im Wandel der Zeit

  • Umfang: 239 Seiten
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • ISBN: 9783863214371

 

 

 

 

Überblick

Nelia Schmid König, Literaturwissenschaftlerin und Psychoanalytikerin, beschäftigt sich in diesem Buch, erschienen im Mabuse Verlag, mit dem Thema Kindheit. Sie stellt die These auf, dass die Kindheit als geschützte Lebensphase zunehmend verschwinden würde. Als Gründe führt sie vor allem die Digitalisierung und Globalisierung ins Feld, sowie den Druck der Leistungsgesellschaft. Sowohl Eltern als auch Kinder sollen funktinonieren.

Zum Inhalt

Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil geht sie der Frage nach, wie Eltern, die so gut wie noch in keiner Epoche zuvor informiert über Erziehung und Entwicklung sind, so unsicher im Umgang mit ihren Kindern sein können. Dabei geht sie auch auf unterschiedliche Symptome ein, die Kinder zeigen im Ausdruck dieser erlebten Unsicherheit. Im zweiten Teil brigt die Autorin detailierte Fallbeispiele. Menschen unterschiedlicher Generationen (zwischen 57 und 93 Jahre alt) sprechen über ihre Kindheit und geben somit Einblick in ihr Erleben. Im dritten Teil kann die Autorin auf dieser Grundlage einen Paradigmenwechsel zur heutigen Generation feststellen – Kindheit ist heute anders. In diesem Teil kommen immer wieder Kinder und Jugendliche, mit denen sie in ihrer Praxis arbeitet zu Wort.

Die Autorin lässt ein Bild von Kindheit und Jugend entstehen, das durchaus zum Nachdenken anregt. Sie spricht von „müden“, „einsamen“ und „unkonzentrierten“ Kindern. Identitätsentwicklung und Identifikation sieht die Autorin in der heutigen Zeit als schwierige Aufgabe an, weil Klarheiten in den Familien oft fehlen. Die Autorin möchte jedoch auch Wege aufzeigen, wie Familien wieder mit mehr Zuversicht und Zufriedenheit zusammen leben können. Sie ruft Eltern auf, wieder mehr Verantwortung in der Erziehungsaufgabe zu übernehmen und auch die Stimme zum Wohle ihrer Kinder zu erheben („Empört euch doch bitte, liebe Eltern“, Kapitel 9, 3. Teil).

Nicht die leichteste Kost, aber empfehlenswert

Das Buch ist für Eltern vielleicht nicht die leichteste Kost, aber jedenfalls lesenswert. Für Menschen in pädagogischen Berufen ist das Buch sehr empfehlenswert. An einigen Stellen empfindet man die gewählte Sprache vielleicht als anmaßend, schuldzuweisend oder hart. Ich denke, dass dies absichtlich gewählt wurde, um ein Wachrütteln zu ermöglichen. Kinder brauchen eine Kindheit, die es ihnen ermöglicht eine Identität zu entwickeln. Hier wird die Basis für eine zufriedene Zukunft gelegt – nicht nur für das Individuum, sondern auch für die Gesellschaft.

 

Foto: Maresa Gallauner