Erziehungsfragen - Blog

Für Sie gelesen: Mama, was schreist du so laut?

Von julia am 07/08/2018 - 10:19
Baum

Britta Hahn (2010): Mama, was schreist du so laut? Wut in Gelassenheit verwandeln. Erfahrungen mit der GFK bei unwillkürlichem Handeln und Fühlen. Paderborn: Junfermann Verlag.

Wer kennt es nicht: man möchte gerne Konflikte ruhig und auf Augenhöhe mit dem Kind lösen und dann gibt es ein Wort, eine Situation oder eine Geste, die einen so aufregt, dass es mit dem Vorhaben rasch vorbei ist. Zurück bleiben dabei immer 2 traurige, entsetzte und verwunderte Menschen: Elternteil und Kind. Warum passiert das, obwohl man sich das Gegenteil doch so fest vorgenommen hat?

Britta Hahn versucht dem anhand vieler anschaulicher Beispiele auf den Grund zu gehen. Die Basis des Buchs ist das Modell der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg. Es basiert auf der Idee der Gleichwertigkeit von Menschen, egal welchen Alters, sowie Empathie und Verbindung zu den eigenen Gefühlen sind Grundaspekte.

Das Buch gliedert sich in 4 Kapitel: 1. Das unerwünschte unwillkürliche Verhalten, 2. Fünf Schritte zum inneren verletzten Kind, 3. Die heilende Kraft der Empathie und 4. Kulturwechsel.

Die ersten beiden Kapitel enthalten vor allem Informationen, wie es dazu kommt, dass wir uns manchmal gar nicht so verhalten, wie wir es eigentlich möchten. Es wird dabei auf das Unbewusste Bezug genommen, sowie auf die Art, wie unser Gehirn funktioniert und arbeitet.

Im dritten Kapitel wird vor allem anhand von Beispielen aufgezeigt, wie es gelingen kann durch „Gewaltfreie Kommunikation“, also damit vor allem durch Empathie, Situationen in ein neues Licht zu rücken und vielleicht näher an das Ideal zu gelangen, das wir gerne leben möchten.

Im 4. Kapitel wird der Unterschied zwischen einer gleichwertigen und einer hierarchischen Gesellschaft beleuchtet und aufgezeigt, warum es Menschen, die hierarchisch erzogen wurden schwer fällt, eine andere Kultur mit den eigenen Kindern zu leben, warum es sich aber lohnt daran zu arbeiten.

Wesentlich finde ich die Schlussworte der Autorin. Dabei weist sie nämlich nochmals darauf hin, dass Konflikte zum Zusammenleben gehören und es nicht darum geht in vollkommener Harmonie zu leben. Auch der Hinweis, dass das Modell „Gewaltfreie Kommunikation“ nicht nur bedeutet seine Sprache oder seine Art zu sprechen zu verändern, sondern dass es um eine Grundhaltung geht, ist sehr wichtig. Es geht aber nie darum perfekt zu sein!

„Wir können uns freuen, wenn wir tiefe Begegnungen mit unseren Kindern haben und uns weiter respektieren und lieben, wenn wir die Verbindung vorübergehend verlieren. Bescheiden können wir anerkennen, dass es die menschlichen Möglichkeiten übersteigt, 'ganz richtig, wirklich richtig' die Kinder zu begleiten. Unsere Begegnungen bleiben menschlich und damit unvollkommen, vielleicht können sie als Entwicklungschancen genutzt werden“ (Hahn 2010: S. 138).

 

Foto: Maresa Gallauner