Für Sie gelesen: Keine Angst vor Babytränen (Thomas Harms)

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Für Sie gelesen: Keine Angst vor Babytränen (Thomas Harms)

Von julia am 18/11/2019 - 09:41
Bücher

Babyweinen – ein Thema, das alle Eltern kennen und sogar Menschen, die selbst keine Kinder haben, können oft das Weinen eines Babys nicht mit anhören. Immer wieder erlebt man Menschen, die alles tun, damit ein Baby nur möglichst schnell aufhört zu weinen, manche sehen es sogar als Gradmesser, ob Eltern ihre Aufgabe gut erledigen: eine gute Mutter/ ein guter Vater schafft es, dass sich ein Baby schnell wieder beruhigt oder am besten gar nicht bitterlich weinen muss.

Umso wichtiger ist das Elternbuch von Thomas Harms „Keine Angst vor Babytränen. Wie Sie durch Achtsamkeit das Weinen Ihres Babys sicher begleiten“, das 2019 in einer Sonderausgabe im Psychosozial-Verlag erschienen ist.

 

Cover Babytränen
Quelle: Psychosozial Verlag

 

Buchreihe: Neue Wege für Eltern und Kind (ISSN: 2625-1043)

Verlag: Psychosozial-Verlag

184 Seiten, Broschur, 164 x 200 mm

1. Auflage 2019

Erschienen im Juli 2019

ISBN-13: 978-3-8379-2891-4

 

 

Thomas Harms zeigt in seinem Buch, welchen Sinn das Babyweinen hat. Es ist theoretisch sehr fundiert und bringt es jedoch sprachlich für Laien gut verständlich auf den Punkt. Dabei geht er nicht von Idealisierungen aus, sondern bleibt eng an jener Realität, die gerade Eltern von „Schreibabys“ Tag für Tag erleben und gemeinsam mit ihrem Baby erleiden. Das zeigt er auch in vielen Beispielen und deren „Auflösungen“, also den Überlegungen, was wohl „dahinter stecken“ mag, auf. Das Buch nimmt Eltern in ihre Pflicht, ohne dabei vorwurfsvoll ihnen gegenüber zu sein. Der Autor versteht es, den Eigenanteil der Eltern an der Situation aufzurollen, ohne, dass diese dabei in Schuld- und Schamgefühlen untergehen müssen. Im Gegenteil: er gibt den Eltern eine gewisse Richtschnur an die Hand, betont auch immer wieder wie wertvoll ihre bisherigen Strategien waren und zeigt auch das Aufsuchen professioneller Hilfe als legitimen Weg auf. Trotzdem ist das Buch in erster Linie der Versuch, Eltern so weit zu informieren, damit sie in einem ersten Schritt versuchen können selbst aus dem Dilemma auszusteigen. Dafür gibt er nicht nur viele Beispiele, die das Verstehen der Theorie vereinfachen, sondern das Buch ist auch angereichert durch Übungen, die Eltern helfen können in Kontakt zu sich zu treten und zu bleiben. Harms Grundthese lautet: Nur wer in Kontakt zu sich steht, seine Gefühle wahrnimmt und annimmt, kann ein Baby achtsam in seinem Weinen begleiten.

Er selbst formuliert dies so:

„Die wichtigste Botschaft in diesem Buch lautet, dass die achtsame Selbstverbindung zu Ihrem Körper eine wichtige Voraussetzung dafür ist, die Bedürfnisse und Gefühle Ihres Kindes besser zu verstehen und beantworten zu können.“ (S. 5)

Ein wesentliches Element hierbei ist für den Autor die Bauchatmung, die einem hilft sich mit sich selbst zu verbinden, quasi zu erden. Er sieht es aber nicht rein als technisches Mittel an, denn es funktioniert nur, wenn der Erwachsene in diesem Moment präsent ist – jedoch nicht auf das Kind fixiert, sondern in sich ruhend, offen für die eigenen Emotionen. Nur so kann der eigene Tank wieder gefüllt werden und das Baby in seinem Schreien begleitet werden.

Erst wenn das nicht gelingt, wird als letzter Schritt (dies zeigt auch die Kapitelaufteilung) die professionelle Hilfe thematisiert. Auch das geschieht in einem sehr wertschätzenden Aufbau und wird theoretisch unterfüttert, warum es Eltern gibt, die mit der Herausforderung des Babyweinens selbst nicht hinreichend umgehen können.

Nicht zu vergessen ist der gesellschaftskritische Ton, den Thomas Harms auch an mehreren Stellen einschlägt: eine Welt, in der wir alle friedlich und zufrieden zusammenleben können, braucht Menschen mit engen Bindungserfahrungen. Emotionale Sicherheit und Bindung werden als beste Gewaltprävention vorgestellt.

„Erfahren Kinder von ihren Eltern bedingungslose Liebe und Akzeptanz, ist dies der Grundstein für ein friedvolles Miteinander auf der Welt.“ (S. 177)

„Keine Angst vor Babytränen“ ist somit ein Buch für alle Eltern – am besten schon vor der Geburt des Kindes lesen!

 

Foto: Maresa Gallauner