Erziehungsfragen - Blog

Für Sie gelesen: Das Elterndiplom oder: Erziehung verstehen

Von julia am 28/02/2017 - 07:32
Steinweg

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen ein besonderes „Fundstück“ vorstellen.

Werner Lauff: Das Elterndiplom oder: Erziehung verstehen. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2010.

Werner Lauff ist Erziehungswissenschaftler. Wie erfrischend – denn leider sind ganz viele Bücher über Erziehung von Leuten geschrieben, deren Kerngeschäft nicht die Erziehung ist (Soziologen, Kinderärzten, Psychologen). Das ist auch ein Grundgedanke von Werner Lauff: Kinder werden eher therapiert und damit für krank erklärt, als das Eltern geholfen werden würde ihre Erziehungskompetenz zu stärken, bzw. ihr Erziehungsbewusstsein zu wecken.

Werner Lauff denkt Elternbildung neu. Er sieht klassische Erziehungsratgeber mit ihrem Rezeptdenken sehr kritisch und würde Elternbildung innerhalb einer Elternuniversität stattfinden lassen, also einem Ort an dem es um Nachdenken und Reflexionen geht. Das Kerngeschäft der Elterngeneration ist nämlich der Schritt aus dem erzogen werden hin zum erziehen und zum Nachdenken über Erziehung (was er vor allem der Großelterngeneration zuschreibt). Erziehung ist auch immer Selbstreflexion und zwar ist diese von den Eltern zu leisten und nicht von professionellen „Erziehern“, die im schlimmsten Falle die Eltern entmündigen. Dafür unterscheidet er Erziehung (die Aufgabe der Eltern, die sich aus der Vater-Mutter-Kind-Einheit erwächst) und Betreuung (die zeitweise von anderen Menschen übernommen werden kann).

Wesentliche Grundgedanken des Buchs sind die Verbindung zwischen Erziehung und Beziehung und die nicht hintergehbare Vater-Mutter-Kind-Einheit (als Grund für Erziehung), die bereits durch den Zeugungsakt eingegangen wird. Für ihn stellt somit die Gebärmutter den ersten Erziehungsraum dar. Er betont auch die Bedeutsamkeit des Er-wachsens, was sich deutlich vom Entwickeln, das aktuell durch psychologische Diskurse im Alltagsdenken verankert ist, unterscheidet.

Besonders wichtig ist für ihn Erziehung als gesellschaftliche Erwartung an die Elterngeneration, die jedoch durch unterschiedliche Entwicklungen immer mehr den Eltern aus der Hand genommen werden würde. Er behandelt aber auch die Frage, wozu überhaupt erzogen werden soll (Erziehungsziele) und wie das von Statten gehen sollte: mit Hilfe des pädagogischen Blicks, mit dem passenden Maß und durch die Prinzipien des Nährens, Führens und Lassens.

Eltern sollen durch die Gesellschaft wieder ihre Aufgabe der Erziehung zurückerhalten und entsprechende unterstützende Maßnahmen vorfinden, die ihnen helfen, an sich zu arbeiten und die Erziehungsaufgabe somit zu meistern.

Fazit

Das Buch ist sehr klar in seinem Aufbau und in einer ansprechenden Sprache geschrieben. Es richtet sich zwar in einigen Aspekten an Fachkollegen und -kolleginnen (z.B. wenn er Kritik daran übt, dass Erziehung als Thema in der Erziehungswissenschaft untergeht) ist aber im Kern ein Buch, das sich an Eltern richtet, bzw. an alle Menschen, die verstehen möchten was Erziehung, seinem Wesen nach, sein kann.

 

Foto: Maresa Gallauner