Erziehungsfragen - Blog

Für die Zukunft im Hier und Jetzt

Von julia am 04/09/2018 - 07:40
Seifenblasen

Gestern habe ich einen sehr interessanten Beitrag von Herbert Renz-Polster gelesen. Er nahm darin Stellung zu zwei aktuellen politischen Ereignissen: einmal die Lage in Chemnitz, wo Rechtsradikale Angst und Schrecken verbreiten, einmal einen Vorfall in Erfurt, wo eine Landtagsabgeordnete nicht an einer Abstimmung teilnehmen durfte, weil sie ihren Säugling in einer Trage mit hatte. Er zeigte in seinem Beitrag auf, wie wichtig die Nähe, Geborgenheit und Sicherheit für Kinder ist – ohne zu frühe Fremdbetreuung (hier bezog er sich auf den Fall Erfurt) und stellte in Frage, ob nicht genau diese fehlende Sicherheit und freundliche Sicht auf die Welt Nährboden für Fremdenhass sei.

Es geht somit wieder einmal um die Frage, wie wir Kinder für das Leben stark machen können. Wie wir ihnen eine positive Sicht auf die Welt zeigen können und ihre Neugierde für Unbekanntes und Fremdes lebendig halten können.

Erziehung stellt immer die Frage nach der Zukunft. Was wünsche ich meinem Kind für die Zukunft? Welches Verhalten finde ich positiv? Wie reagiere ich, wenn Probleme auftreten? Aber auch die Gesellschaft erhebt gewisse Ansprüche auf die Zukunft der Kinder: eine Generation erwartet sich angepasste, fasst schon hörige Menschen. In einer anderen Generation ist es das höchste Ziel, dass Menschen kreativ sein können, usw.

Zukunft kann jedoch nur gelingen, wenn man im Zusammenleben mit seinen Kindern das Hier und Jetzt im Blick hat. Natürlich wollen die meisten Eltern freundliche, höfliche Kinder mit einem entsprechenden Sozialverhalten, die aber auch für sich einstehen können, wenn es notwendig ist und nicht allem zustimmen oder die reinen Mitläufer sind. Aber dabei muss man immer den jeweiligen Entwicklungsstand beachten: was kann ich von einem 2-jährigen Kind verlangen? Muss mein Kind alle seine Sachen teilen? Wie gehe ich mit Konflikten um und wie viel Hilfe braucht mein Kind noch, um Konflikte mit Gleichaltrigen zu lösen?

Es muss einem auch bewusste sein, dass Kinder, die nicht zu Gehorsam erzogen werden sollen, auch im Kindesalter ihre Meinung sagen dürfen müssen. Gehorsame, angepasste Kinder werden nicht über Nacht plötzlich kritisch denkende, für sich und andere einstehende Erwachsene.

In der Erziehung ist es notwendig diesen Spagat zu schaffen – die Zukunft im Blick, mit der vollkommenen Präsenz im Hier und Jetzt.

 

Foto: Maresa Gallauner