Erziehungsfragen - Blog

Einen Tag Löwe, Prinzessin oder Räuber sein....

Von julia am 24/01/2018 - 08:52
Superheld

Schon im Kindesalter gibt es immer wieder Kinder, die sich zu den Karnevalsfeiern in Kindergarten oder Schule nicht verkleiden möchten. Oftmals wird das eher belächelt und es wird angenommen, dass sich alle Kinder gerne verkleiden.

Diese Aussage ist aber zu allgemein gehalten, denn in der Entwicklung durchläuft das Kind unterschiedliche Phasen, die das Verkleiden für das Kind interessant erscheinen lassen oder beängstigend.

Babys und Kleinstkinder

Bis zum Alter von etwa 18 Monaten wehren sich Kinder oftmals nicht, wenn sie verkleidet werden. Zu betonen ist jedoch, dass kein Kind in diesem Alter von selbst mit der Idee kommen würde, dass es sich verkleiden möchte. In diesem Alter hat das Kind das "Ich" noch nicht entdeckt oder fängt erst mit rund 18 Monaten langsam an zu sich selbst "Ich" zu sagen. Das Kind in dieser Phase möchte SICH kennen lernen und es ist nun mal weder ein Räuber, noch eine Biene oder ein Frosch.

Das Kleinkindalter

Kinder zwischen 1,5 und etwa 3 Jahren (bei einigen Kindern dauert es auch bis nach dem 4. Geburtstag) kommen in die bzw. sind in der Autonomiephase. Das Ich ist nun sehr stark und sie wollen zeigen, wer sie sind und was sie können. Viele Kinder in dem Alter wollen sich nicht verkleiden - sie "kämpfen" ja jeden Tag darum sie selbst sein zu dürfen, mit ihren Ideen, Wünschen und Vorstellungen. Es ist die Phase, die früher als "Trotzphase" bekannt war, aber aktuell immer mehr als Autonomiephase verstanden wird.

Das Kindesalter

Im späteren Kindergartenalter (so etwa ab 4 Jahren) bis zur Pubertät ist Verkleiden für Kinder sehr spannend. Sie wollen unterschiedliche Rollen ausprobieren (auch im Rollenspiel) und wollen herausfinden, was sie noch so alles könnten. Auch die sogenannten Magischen Jahre begünstigen den Wunsch sich verkleiden zu wollen: einmal ist man selbst der fürchterliche Löwe oder das Monster oder auch die scheue Prinzessin oder die wilde Räubertochter.

Das Jugendalter

Das klassische Verkleiden, um Rollen zu testen, nimmt nun einen völlig anderen Stellenwert ein. Rollen werden nun eher dadurch getestet, indem man versucht sich bestimmten Gruppierungen (Peers) anzuschließen. Das Verkleiden wird nun als Karnevalstradition angesehen, der man folgt oder nicht.

Der Zwang sich zu verkleiden

Es gibt immer wieder Kinder, die diese Entwicklung nicht ungestört durchlaufen können, sondern die verkleidet werden oder gezwungen werden sich zu verkleiden, damit sie in der Kindergruppe nicht auffallen. Hier wird mehr ein Wunsch, bzw. eine Sorge dieser Eltern bedient als dem Bedürfnis des Kindes gefolgt.

Fragt man etwa 2-3-jährige Kinder, ob sie mal einen Tag Löwe, Prinzessin oder Monster sein möchte, erhält man oft ein verwundertes "Warum?" als Antwort. Manche Kinder folgen einfach dem Vorbild älterer Geschwister und wollen dann auch eine Verkleidung. Hier ist die Motivation jedoch eine völlig andere, denn sie wollen den großen nacheifern, auch groß sein. Sie sehen darin nicht den Konflikt mit dem "Selbst", weil es oftmals Teil ihres Selbst ist, auch groß sein zu wollen. Die Motivation liegt aber nicht darin, einmal eine bestimmte Rolle auszuprobieren.

Kinder sollten einfach immer frei entscheiden dürfen, ob sie verkleidet zur Feier im Kindergarten oder in der Schule erscheinen oder nicht.

 

Foto: Maresa Gallauner