Das ist mein Körper!

Erziehungsfragen - Blog

Das ist mein Körper!

Von julia am 05/12/2017 - 08:27
Küssen

Viele Eltern fürchten sich davor, dass ihr Kind die Erfahrung erleiden muss unsittlich berührt zu werden oder andere Erfahrungen psychischer oder physischer Gewalt machen muss. Sie fragen sich zurecht, wie man das Kind davor schützen könne – oft wird der Weg gewählt Gespräche zu führen, zu warnen, Verhaltensweisen (z.B. laut um Hilfe rufen, gezielt Passanten ansprechen, in ein Geschäft gehen, usw.) einzuüben. Sind die Kinder älter wird über Selbstverteidigungskurse nachgedacht. Das alles hat seine Berechtigung, doch oft wird die Basis des Selbstschutzes vergessen: Kinder müssen von Anfang an erfahren, dass ihr Körper wertgeschätzt wird und ihre Grenzen respektiert werden.

Grenzen respektieren

Das liest sich jetzt so selbstverständlich, doch im Alltag geschieht oft das Gegenteilige. Ein klassisches Beispiel ist ein Besuch bei Verwandten:

Sie betreten mit ihrem Kind die Wohnung von Oma und Opa. Das Kind sagt „Hallo“, will aber keinen Kuss bekommen und keinen Kuss geben. Das sollte respektiert werden. Oft verläuft die Szene jedoch so weiter: „Nun gib der Oma schon ein Küsschen“. Die Grenzen des Kindes werden missachtet, um gesellschaftliche Gepflogenheiten einzuhalten.

Auch Kinder dürfen über ihren Körper bestimmen

Kinder sollen ihre Meinung äußern dürfen und sie sollen für sich und ihren Körper einstehen dürfen. Besonders bei der Pflege sollte überlegt werden, inwiefern Wünsche des Kindes nicht berücksichtigt werden. Es gibt Phasen, da wollen sie nur von Mama oder Papa gewickelt oder zur Toilette begleitet werden oder sie möchten bestimmte Körperpartien beim Baden selbst waschen. Sofern es nicht unmöglich ist (z.B. weil der gewünschte Elternteil gar nicht zu Hause ist), sollte man diese Wünsche respektieren. Ich möchte noch eine kurze Geschichte eines Restaurantbesuchs erzählen, die zeigt, wie bereits Kleinkinder für sich einstehen können:

Wir waren mit unseren Kindern mittags in einem Restaurant. Meine Tochter ist zwei Jahre alt. Sie saß auf ihrem Stuhl und der Kellner kam und nahm die Bestellung auf. Dabei ist er ihr immer wieder durch die Haare gefahren. Meine Tochter hat sich zuerst nur versucht wegzudrehen. Als der Kellner weiter ihre Haare berührt hat ist sie aufgestanden, hat sich zu ihm umgedreht und laut gerufen „Nein, meine Haare“. Ich war beeindruckt von ihrer Willensstärke und dem Mut sich gegen eine fremde Person so zu behaupten. Wir haben sie darin unterstützt und ihre Forderung für den Kellner übersetzt, da dieser nur französisch konnte. Am Nachbartisch wurden dann 3 ältere Damen auf die Szene aufmerksam und meinten: „Was ist denn schon dabei, wenn er ihr durch die Haare fährt, er meint es ja nur gut und wollte freundlich sein“ dann kam noch der freundliche Hinweis hinten nach, das wir unser Kind anhalten sollten leise in einem Restaurant zu sprechen.

Ich finde eine solche Haltung schade und für ein Kind mitunter gefährlich. Woher soll das Kind denn in einer zukünftigen Situation wissen, ob eine Person es „nur freundlich“ meint und es sich gerade in einem Rahmen befindet, der für es unbedenklich ist (z.B. weil die Eltern anwesend sind)? Und selbst wenn die Person es freundlich meint und es in Obhut der Eltern ist - es ist immer zu respektieren, wenn jemand nicht möchte, dass etwas mit seinem Körper geschieht. Oder wie würden Sie sich fühlen, wenn ein Kellner bei der Aufnahme der Bestellung Ihnen durch die Haare fährt?

Pflegehandlungen in einer respektvollen Atmosphäre

Aus diesem Grund sollte von der Säuglingspflege an der Körper des Kindes respektiert werden:

  • Kündigen Sie ihre Handlungen an, z.B.: ich ziehe dir jetzt den Body aus und öffne deine Windel
  • Wenn sich ältere Kinder nicht wickeln lassen wollen, zwingen Sie es nicht, sondern versuchen sie Wege der Kooperation zu finden
  • Kinder wollen sich ab einem gewissen Alter gerne selbst in der Badewanne waschen
  • Auch Kinder dürfen bei geschlossener (bis zu einem gewissen Alter nicht versperrten) Türe auf die Toilette gehen, wenn sie das wünschen

Diese Haltung dem Kind gegenüber bildet die Basis dafür, dass sich ein Kind in gefährlichen Situationen traut für sich einzustehen.

 

Foto: Maresa Gallauner