Erziehungsfragen - Blog

Buchtipp: Monster-Besuch von Catarina Knüvener

Von julia am 27/02/2019 - 09:04
Bücherhimmel
Monster-Besuch
Quelle: Mabuse-Verlag

 

Monster-Besuch

48 Seiten

Mabuse 2019

ISBN: 9783863214197

 

 

Das Buch "Monster-Besuch. Noch mehr kleine Alltags-Schrecken" aus dem Mabuse-Verlag ist Band 2 der Autorin. Über Band 1 (Monster-Ich) habe ich bereits geschrieben. Die Aufmachung des Buchs und die Illustrationen sind sehr vergleichbar.

Monster-Besuch ist keine klassische Geschichte, sondern kann Seite für Seite, je nach Situation und Gefühlslage des Kindes gelesen werden. Auf jeder Doppelseite wird ein Gefühl, eine Stimmung oder eine Situation dargestellt – in der Form von Monstern: z.B. der Zorn, das Donnerwetter, die Angst, Fräulein Neugier, usw.

Die Texte sind für Kinder ab dem Grundschulalter interessant. Richtig geeignet finde ich es für Kinder von 8-12 Jahren. Da die verwendete Sprache nicht ganz einfach ist, eignet es sich weniger als reines Vorlesebuch, sondern ist fast wie ein Nachschlagewerk, das situationsabhängig herangezogen werden kann, um ein bestimmtes Gefühl zu erarbeiten. Der Aufbau ist dabei immer gleich: das Gefühl oder eine Stimmung oder Situation wird benannt, umschrieben und dann gibt es Tipps, wie man das Monster auch wieder verschwinden lassen kann. Außerdem befindet sich auf jeder Doppelseite eine passende Illustration.

Die letzten Buchseiten laden das Kind ein selbst kreativ zu werden. Es wird aufgefordert Monster zu malen, auszumalen, zu beschreiben, selbst zu überlegen, welche Monster es noch geben könnte. So kann der Monster-Besuch wirklich zu einem individuellen Werk für das jeweilige Kind werden.

Die Illustrationen sind aus Kinderbildern (Kritzelbildern) ihrer Söhne entstanden, die farbigen Hintergründe sind ebenfalls Kinderbilder. Das macht die Illustrationen von Stil her interessant und sprechen Kinder in dieser Form meist auch an.

Der Aufbau des Buchs mit Vorwort und Inhaltsverzeichnis, das die Monster kategorisiert (Laute Monster, leise Monster und besondere Monster) erinnert eher an ein Fachbuch und ist aus dem ersten Band bekannt.

Die Texte sind aber auch für Erwachsene sehr interessant, um besser verstehen zu können, was in Kindern vorgehen kann, wenn sie das eine oder andere Gefühl verspüren oder sich in einer bestimmten Situation oder Stimmung befinden. Die Texte laden ein über Gefühle zu sprechen. So kann man auch mit Kindern ins Gespräch kommen, die vielleicht nicht offen über ihre Gefühle sprechen können (z.B. weil sie schüchtern sind).

Ich muss jedoch anmerken, dass ich nicht alle Texte passend finde oder auch nicht alle Lösungen so unterstützen würde. Zum Beispiel beim Bock, bei dem „hilft ein Schalldämpfer, also ein Schnuller, und bei größeren der Schokoriegel. Vielleicht sollten Mütter dem Bock den Schokoriegel schon vorher geben, dann erspart man sich viel Ärger.“ Aus Kindersicht kann man sich vielleicht denken, wenn ich doch den Schokoriegel bekomme, dann maule ich auch gar nicht. Aber es geht ja in den meisten Fällen nicht um den Schokoriegel und Eltern bekommen so eher den Eindruck, dass man das Kind ruhigstellen soll...eigentlich genau das Gegenteil davon, was die Bücher eigentlich wollen, dass Kinder lernen mit Gefühlen und Stimmungen umzugehen. Eltern, die einen anderen Blick auf Kinder haben, empfehle ich, dass sie den Text abwandeln oder nur mit den Illustrationen arbeiten. Die meisten Texte sind auch wirklich in Ordnung, aber bei ein paar Passagen wurde ich schon sehr hellhörig welches Bild vom Kind dahinter steht.

Der Monster-Besuch ist somit zwar kein klassisches Vorlesebuch, bzw. keine klassische Kindergeschichte, aber ein gelungenes Werk, um mit älteren Kindern über ihre Gefühle und den Umgang mit Gefühlen ins Gespräch zu kommen. Ein paar Abstriche muss man beim Text machen, aber den kann man ja für sich umgestalten.

 

Foto: Maresa Gallauner