Bedürfnisorientiert ist nicht laissez-faire

Erziehungsfragen - Blog

Bedürfnisorientiert ist nicht laissez-faire

Von julia am 17/10/2017 - 09:01
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Immer wieder stoße ich auf Eltern, die betonen ihre Kinder bedürfnisorientiert zu erziehen. Im Vordergrund stehen dabei Themen wie Einschlafbegleitung, Nähe, Trost und Liebe. Es sind Eltern, die sehr bemüht sind „alles richtig zu machen“, die belesen sind und versuchen das Gelesene im Alltag umzusetzen.

Die Sorge, nicht alles richtig zu machen

Verfolgt man jedoch Forendiskussionen, so gibt es zu teils sehr große Verunsicherungen, wieder drehend um die Frage, ob man denn „alles richtig“ mache – also den theoretischen Ansatz der bedürfnisorientierten Erziehung auch wirklich umsetzen würde. Teils ist eine Angst zu lesen, die darum dreht, ob man denn alle Bedürfnisse wahrnehme und wie zu reagieren wäre. Es geht wieder um die Suche nach Handlungsanleitungen.

Wünsche und Bedürfnisse

Meistens geht es dabei um Fragen, die mehr Wünsche dir Kinder betreffen. Doch Wünsche sind nicht unbedingt gleichzusetzen mit einem Bedürfnis. Viele Antworten in solchen Elternforen stärken den verunsicherten Eltern den Rücken, indem betont wird, wie wichtig es ist, dass das Kind entscheidet, oder es wird hervorgehoben, dass es halt Kinder sind und hinterfragt wer die Norm festlegt und dass Kinder schon wissen, was gut für sie wäre.

Das Gleichgewicht finden

Ja, Kinder sollen mitentscheiden dürfen und sie sollten auch mit ihren Wünschen wahrgenommen werden. Aber zwei Sachen darf man nicht vergessen:

  1. auch Eltern haben Bedürfnisse und Grenzen
  2. Kinder haben auch ein Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung

Das Kind nicht sich selbst überlassen

Bedürfnisorientiert erziehen heißt somit nicht, seine eigenen Grenzen dauernd zu missachten oder eigene Bedürfnisse auszublenden und es heißt auch nicht, dem Kind alles (auch sich selbst) zu überlassen.

Bedürfnisorientierte Erziehung benötigt Eltern, die mit sich möglichst im Reinen sind, die gemeinsam mit den Kindern einen Weg beschreiten möchten und dabei sehr wohl diejenigen sind, die in gewisser Hinsicht mehr Erfahrung haben, Konsequenzen abschätzen können und die Kinder nicht sich selbst überlassen. Bedürfnisorientierte Erziehung hat nichts mit „einfach mal machen lassen“ zu tun, sondern setzt eine sehr gute Beziehung, Beobachtungsgabe und eine authentische Begleitung voraus. Die Erziehungsaufgabe wird aktiv angenommen.

 

Foto: Maresa Gallauner