Erziehungsfragen - Blog

Altbewährtes neu entdecken: Fingerspiele

Von julia am 10/07/2018 - 08:45
bunte Hände

Nun fängt sie an, die Urlaubszeit. Kinder und Eltern genießen es, nun mehr Zeit zusammen zu haben. Oft stehen Reisen an und damit die Frage: was eignet sich zur Beschäftigung?

Aber auch zu Hause entstehen nun öfters Zeitfenster, die aus dem Alltag nicht bekannt sind. Was kann man in dieser Zeit machen?

Die Zeit für sich entdecken

Kinder, die normalerweise stundenweise in die Kinderkrippe oder den Kindergarten gehen, haben öfters Probleme bei der Umstellung, wenn sie nun wieder mehr Zeit zu Hause verbringen. Oft fehlt ihnen die gewohnte Struktur und auch die animierte Beschäftigung. Langeweile hat einen hohen Wert, sie ist wichtig, damit Kinder ihre kreativen Kräfte entfalten können. Manchmal ist es aber auch nett, wenn man ein kleines Spielchen kennt, wenn Kinder zu einem kommen und nach Beschäftigung fragen.

Fingerspiele – praktisch als Lückenfüller und für Unterwegs

Als ich 2004 die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin und Horterzieherin abgeschlossen hatte, waren Fingerspiele noch ein großes Thema. Aktuell werden sie Kindern eher selten angeboten und in Familien sind sie häufig gänzlich unbekannt. Das finde ich schade, denn erstens sind sie jederzeit, ohne Material, spielbar und zweitens können Kinder vieles lernen und entdecken.

Fingerspiele fördern:

  • das sprachliche Verständnis
  • die aktive Sprache
  • die Feinmotorik
  • das Gedächtnis
  • das Gefühl für Abfolgen und Reihenfolgen
  • das gemeinsame Spielerlebnis

Geschichten mit den Händen erzählen

Fingerspiele sind an sich kleine Geschichten, die mit Hilfe von Gesten und Formen, die mit den Fingern gebildet werden, erzählt werden. Einige Eltern, denen ich Fingerspiele vorschlage, lehnen diese ab, da die Texte so „altbacken“ wären. Das mag für einige auch zutreffen, denkt man z.B. an Klassiker wie „Das ist der Daumen“. Es gibt aber auch modernere Fingerspiele mit lustigen Texten und überraschenden Wendungen in der Geschichte.

Einige Eltern scheuen sich auch Fingerspiele auszuwählen, in denen z.B. ein Krokodil zubeißt oder ein Kasper mit einem Knüppel schlägt. Für Kinder sind solche Fingerspiele aber oft entlastend und sehr lustig, weil sie da etwas ausleben dürfen (oder der Kasper es für sie stellvertretend auslebt), was sie im Alltag lernen sollen zu unterlassen. Auf jeden Fall fördern solche Geschichten nicht das Gewaltpotential eines Menschen.

Zeit gemeinsam verbringen

Fingerspiele sind eine gute Möglichkeit, um im Alltag Zeit mit dem Kind zu verbringen und in diesem Moment ganz auf es bezogen zu sein. Man taucht gemeinsam in die Geschichte ein, man freut sich, erschrickt sich, entspannt sich gemeinsam nach der Auflösung der Geschichte.

Fingerspiele können mit Bewegungsanleitungen online gefunden werden. Es gibt aber auch Bücher mit Texten und Bewegungsbeschreibungen.

 

Foto: Praveen Kumar CC BY 2.0