Erziehungsfragen - Blog

„Aber bei Oma und Opa darf ich das“ - mit unterschiedlichen Ansichten umgehen können

Von julia am 07/11/2017 - 08:58
anderes zulassen

Ob zu festen Zeitfenstern als Ersatz für den Besuch einer Betreuungsstruktur, zum zwischendurch Babysitten oder weil die Kinder sich Spielzeit wünschen – in vielen Familien gehört der Besuch bei Oma und Opa zu den festen Ritualen. Das ist auch sehr wünschenswert, denn Kinder profitieren von unterschiedlichen Beziehungen und die Großeltern verbringen auch meist sehr gerne ihre Zeit mit den Enkelkindern. In vielen Fällen läuft dieser Wechseln zwischen Kernfamilie und erweiterter Familie sehr gut ab – in einigen Familien kommt es jedoch immer wieder zu Differenzen.

Beziehungen sind Lernfelder

Für Kinder ist es sehr spannend, wenn bei Oma und Opa nicht alles genauso läuft wie zu Hause. Es ist für sie ein Erfahrungsfeld und kann auch Entspannung und Entlastung bringen, wenn aktuell bestimmte Themen (z.B. essen, schlafen, Sauberkeit) in einer Familie konfliktbehaftet sind. Kinder können an den Unterschieden wachsen und über diesen Weg Muster, die zu Hause zu Streit führen, hinter sich lassen und diese neuen Strategien mit ins Familienleben bringen. Die andere Weltsicht von Oma und Opa bringt Kindern neue Akzente näher und macht sie neugierig neues zu entdecken.

Entgegen der allgemeinen Meinung, dass Kinder durch unterschiedliche Ansichten verwirrt werden würden, bestätigt die Erfahrung, dass sie sehrwohl unterscheiden können, was sie zu Hause, bei Oma und Opa, in der Schule, im Verein, usw. dürfen oder nicht dürfen. Es ist für sie eine Bereicherung.

Andere Ansichten zulassen

Problematisch wird es oftmals dann, wenn versucht wird, Ansichten gegeneinander auszuspielen, oder Eltern und Großeltern den anderen vor dem Kind schlecht dastehen lassen. Trifft das zu, sollte das Gespräch gesucht werden, weil Kinder dies als Loyalitätskonflikt erleben. Das Lernfeld bricht in sich zusammen. Führen unterschiedliche Ansichten dazu, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist, sollte es angesprochen werden. Entspricht eine Handlung aber lediglich nicht den eigenen Wunschvorstellungen, das Kind nimmt aber weder körperlich noch psychisch Schaden, dann sollte man den anderen auch einfach mit dieser Haltung annehmen können.

Wie kann man mit Differenzen umgehen?

Wenn Eltern etwas sehr wichtig ist, weil es z.B. das Familienleben beeinträchtigen würde, dann sollte es im Vorfeld klar abgesprochen werden. Ein Beispiel wäre hier der Mittagsschlaf (schläft ein Kind zu viel/ zu wenig, kann das abendliche Schlafen beeinträchtigt sein, für das Kindeswohl sind klare Absprachen notwendig)

Innerhalb eines Rahmens Freiheiten lassen: ob ein Kind abends z.B. zuerst das Brot isst und dann das Gemüse oder umgekehrt sollte keine Rolle spielen

Ausnahmen zulassen: es ist für Kinder schön, dass es bei Oma und Opa Dinge gibt, die sie zu Hause nicht haben. Sie können damit umgehen. Für die Großeltern ist es zumeist auch schön, dass sie nicht mehr in der elterlichen Verantwortung stehen, sondern eine neue Rolle ausüben können. Kinder lieben ihre Eltern nicht weniger, wenn es zu Hause nicht nach jedem Essen ein Eis gibt.

Ist für die Eltern oder Großeltern etwas wirklich nicht tragbar, dann sollte es angesprochen werden – Offenheit ist sehr wichtig.

 

Foto: Maresa Gallauner